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Thesen zur Hexenverfolgung

0. Vorbemerkung
1. Einleitung
2. Die Thesen
3. Bewertung
3.1. Wissenschaftstheorie
3.2. Anwendung
4. Historische Folgen
5. Philosophischen Folgen
6. Literatur

 

4. Die historischen Folgen der Hexenverfolgung 

Die unmittelbare Folge der Hexenverfolgung war genau die, die ihre Planer erreichen wollten. Das Volk konnte nicht mehr verhüten und die Geburtenrate stieg kräftig. Was die Planer nicht wissen konnten, war, wie durchschlagend der Erfolg ihrer Maßnahmen schließlich sein sollte. Es folgte die europäische Bevölkerungsexplosion und in deren Folge wiederum die Weltbevölkerungsexplosion, die bis heute anhält.
Die Weltbevölkerungsexplosion ist nämlich nicht primär durch den Export europäischer Medizin entstanden, sondern durch den Export europäischen Fortpflanzungsverhaltens. Das das tatsächlich bewußt betrieben wurde, zeigt eindrucksvoll ein Zitat aus der Geschichte des deutschen Kolonialreiches:

Am wirksamsten und zugleich am wenigsten fühlbar wird immer der indirekte Zwang sein, der durch die Konkurrenz einer starken Bevölkerungszunahme ausgeübt wird. Eine Land- und Bevölkerungspolitik, die auf Einschränkung der durch die jetzige Wirtschaftsmethode der Eingebornen ungeheuer ausgedehnten Landnutzung, auf Begrenzung der Freizügigkeit (z.B. durch Paßvorschriften) und auf Vermehrung der Menschen abzielt (durch Bekämpfung der Seuchen, der Vielweiberei, der weitverbreiteten Abtreibung und enormen Kindersterblichkeit), erreicht den Zweck am natürlichsten. Wenn Wettstreit um die Lebensmittel geführt werden muß, kann der männliche Neger nicht mehr neun Zehntel seines Lebens mit Nichtstun verbummeln.
(Hans Meyer: "Das deutsche Kolonialreich", 1910, Band 1, S. 398, Hervorhebungen von mir.)

Insgesamt gesehen kann man den Beginn der Neuzeit als den Übergang von einem statischen Gleichgewichtssystem zu einem dynamischen Wachstumssystem beschreiben.

Der Feudalismus war im Wesentlichen ein statisches Wirtschaftssystem. Kinder wurden geboren, um auf dem Land ihrer Eltern aufzuwachsen und es zu erben. Fast jeder Mensch lebte von dem Land auf dem er wohnte. Dieses System konnte die Bevölkerungsexplosion natürlich nicht verkraften. Im Zusammenwirken mit technischen Erfindungen entstand so ein neues Wirtschaftssystem, der Kapitalismus. Wenn Massen von Lohnarbeitern eine notwendige Voraussetzung für den Kapitalismus sind, dann ist folgerichtig die europäische Bevölkerungsexplosion - und mit ihr die Hexenverfolgung - eine notwendige Voraussetzung für den Kapitalismus.

Die Hexenverfolgung hatte aber auch Folgen für die Pädagogik.
Aus den ungewollten Kinderscharen resultieren unmittelbar Streß für die Eltern und mangelnde Fürsorge für die Kinder. Außerdem gerät durch die Bevölkerungsexplosion das Wirtschaftssystem aus den Fugen und die Lohnarbeit wird zur einzig verbleibenden Zukunftsperspektive, was einer emotionellen Sicherheit der Heranwachsenden prinzipiell entgegensteht. So entstehen also durch die Hexenverfolgung die Erziehungsprobleme der Neuzeit und als Reaktion darauf die wissenschaftliche Pädagogik.

Es ist auch schwer zu bestreiten, daß die Hexenverfolgung eine wesentliche Verschärfung der patriarchalen Herrschaftsstrukturen bewirkt hat. Die Weisen Frauen waren ein autonomer weiblicher Berufstand. Sie übten ihren Beruf autonom aus und verhalfen auch den anderen Frauen durch ihre Verhütungsberatung zu mehr Autonomie. Die Hexenverfolger vernichteten den einzigen bedeutenden weiblichen Berufstand und verhängten über alle Frauen Gebärzwang.  



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Zuletzt aktualisiert am 09.02.2006