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Thesen zur Hexenverfolgung

0. Vorbemerkung
1. Einleitung
2. Die Thesen
3. Bewertung
3.1. Wissenschaftstheorie
3.2. Anwendung
4. Historische Folgen
5. Philosophischen Folgen
6. Literatur

 

3. Bewertung

Die Theorie von Heinsohn/Steiger ist zur Zeit die beste Theorie der Hexenverfolgung. Um das zu begründen, hier ein kurzer Exkurs in die Wissenschaftstheorie:
 

3.1. Exkurs Wissenschaftstheorie

Wir haben es in der Historie mit einer wachsenden Menge von Daten zu tun. Konkurrierende Theorien versuchen, Teilmengen dieser Daten zu erklären. Die Theorie, der das am besten gelingt, bevorzugen wir. Gelingenskriterium ist die größtmögliche Kohärenz. Kohärenz bedeutet, daß jede Theorie eine Menge von Daten widerspruchsfrei zusammenfaßt. Je größer diese Menge, desto besser ist die Theorie.

Falsifizierbarkeit ist ein weiteres wichtiges Kriterium für eine gute Theorie. Falsifizierbar ist eine Theorie, wenn sie Voraussagen macht. Weil der Begriff Voraussage in der Historik problematisch ist, möchte ich ihn im folgenden präzisieren: Eine Theorie baut auf einer Datenmenge M auf. Sie besteht zunächst aus einer Klasse von Sätzen, den Axiomen, die die Menge M kohärent zusammenfaßt. Axiome sind Sätze, für deren Begründung die Theorie, die sie enthält, nicht zuständig ist. Aus ihren Axiomen leitet man weitere Sätze ab, die Theoreme. Wenn ein Theorem sich auf Daten außerhalb von M bezieht, nennt man es Voraussage. Durch zutreffende Voraussagen vergrößert sich der Kohärenzbereich einer Theorie. Den außerhalb von M liegenden Teil des Kohärenzbereiches nennt man Erklärungspotential.

Das Erklärungspotential von naturwissenschaftlichen Theorien bezieht sich vorwiegend auf zukünftige Daten. Bei historischen Theorien muß man auf Voraussagen in diesem wörtlichen Sinne weitgehend verzichten. Hier können Voraussagen nur in dem allgemeinen Sinn des Erklärungspotentials verstanden werden. Falsifiziert ist eine Theorie, wenn Daten auftauchen, die einer ihrer Voraussagen widersprechen. Eine falsifizierte Theorie wird jedoch nur dann verworfen, wenn eine bessere Theorie zur Verfügung steht. Falsifikation verläuft in der Historik wie folgt: Jemand entwickelt z.B. eine Theorie über das 3. Reich. Aus dieser Theorie leitet er Aussagen über die Pädagogik in der Nachkriegszeit ab. Anhand der Daten über die Pädagogik in der Nachkriegszeit werden die Voraussagen überprüft. Ergibt sich ein Widerspruch, so ist die Theorie falsifiziert (aber noch nicht notwendig verworfen). Ergibt sich Übereinstimmung, so hat die Theorie sich bewährt.

Im Folgenden versuche ich, diese Wissenschaftstheorie auf die vorliegenden Thesen anzuwenden. Dabei wird sich allerdings auch zeigen, daß die praktische Anwendung problematisch ist.  



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Zuletzt aktualisiert am 09.02.2006